Dutch Groundfighting anno 1674:

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PetterBedarf an Methoden zur Selbstverteidigung bestand in der Menschheitsgeschichte schon immer. Besonders interessant daher, wenn man sich alte Anleitungen anschaut, wie man sich Übeltätern effektiv erwehrt, vor allem, wenn einem dabei vieles bekannt vorkommt. Ein besonders interessantes Dokument ist unter vielen Nicholaes Petter´s „Worstelkonst“ aus dem späten 17. Jahrhundert.

Sachlich aufgebaut präsentiert es ein komplexes und komplettes Selbstverteidigungssystem gegen unbewaffnete Angreifer und Messerattacken. Manches kommt einem vertraut vor, manches nach heutigem Kenntnisstand zu risikoreich, aber insgesamt stellen sich die meisten Technikabläufe als simpel, brutal und äußerst effektiv dar.

Kein Wunder, immerhin kämpften die Niederländer einen 80 Jahre dauernden, schmutzigen und brutalen Krieg im eigenen Land gegen die besten Söldner der spanisch-habsburgischen Armee, viele der dabei in zermürbenden Grabenkämpfen mit blanker Klinge und bloßer Faust entstandenen Nahkampfmethoden finden sich daher sicherlich in Petter´s Werk wieder.

Zwar weiß man über den Autoren selbst nur wenig, aber sein Werk spricht Bände darüber, dass er Erfahrung im waffenlosen Kampf hatte. Bekannt über Petter ist noch, dass sein Name im Zusammenhang mit einigen der frühen Boxkämpfe um 1700 fällt. Diese Kämpfe hatten wenig gemein mit dem heutigen Boxen und lassen, gemessen an den historischen Beschreibungen und dem geringen Maß an Regeln, die frühen UFC-Turniere vergleichsweise harmlos erscheinen. Im Vertrauen darauf kann man vermuten, dass Petter durchaus kampferprobt gewesen ist.

Sein mit vielen aufwändigen Zeichnungen versehenes Werk stellt damit ein unschätzbar spannendes Dokument dar, welches inzwischen auch durch historische Kampfkunstvereine seine Wiederbelebung erfährt. In diesem Zusammenhang ist auch eine interessante Diskussion darüber aufgeflammt, inwieweit Petter´s Werk auch von japanischen Systemen beeinflusst worden sein könnte. Ähnlichkeiten mit koryu-jiujitsu sind natürlich auffällig. Bekannt ist, dass die Holländer durch ihre Handelsniederlassung Dejima die einzige europäische Macht war, die in Japan weiterhin enge Kontakte pflegte, nach der Abschließung des Landes ab 1633 (mehr Infos über Dejima findet man hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Dejima). Streng reglementiert, aber doch rege fand hier Austausch nicht nur wirtschaftlich, sondern auch wissenschaftlich statt. Durchaus könnte es möglich sein, dass auch Informationen über die japanische Kampfkunst so nach Holland gelangten. Doch wer sich weitaus ältere europäische Ringanleitungen anschaut, aus Zeiten in denen noch kein Kontakt nach Fernost bestand, wird sehen, dass auch hier straßentaugliche, brutale Techniken inklusive Bodenkampf gezeigt werden, die den japanischen Techniken gleichwertig und teilweise nahezu identisch sind. Es ist also wahrscheinlicher, dass auch Petter´s Ringkunst durch und durch europäisch war.

Eine komplette englische Transkription und Rekonstruktion seiner „Worstelkonst“ findet man im Electronic Journal of Martial Arts: http://ejmas.com/jwma/articles/2000/jwmaart_steenput_1000.html

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