Defense dans la rue – Jiujitsu um 1900

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armbar_oldschoolNicht nur heute, sondern schon vor über 100 Jahren hatten die Bürger von Großstädten das gut begründete Bedürfnis sich im Notfall gegen Angriffe verteidigen zu können. Die damals beliebtesten Kampfsportarten, Boxen, Ringen, Savate und Fechten gaben zwar eine gute Grundlage dafür, waren aber durch ihre Wettkampf-Reglements schon zu weit weg von der brutalen Wirklichkeit der Straße. Zahlreiche finstere Gesellen trieben in den schlecht beleuchteten Gassen von Paris oder London ihr Unwesen, besonders “les Apaches”, eine riesige Straßengang in Paris, war nicht gerade zimperlich in der Wahl ihrer Mittel, Bürger um ihren Besitz zu bringen. Meistens war das sofortige Töten des Opfers mit einem Messer oder anderen Waffen die Taktik der Apaches, es wurde gar nicht mehr erst nach “Geld oder Leben” gefragt. In London verbreiteten die sog. “Garroteure” Angst und Schrecken, die ihre Opfer von hinten erwürgten mit bloßen Händen, mit Tüchern oder gar dem eigenen Schal des Attackierten.

Diese enorme Welle gewissenloser Gewalt animierte viele Kampfsportler und Fechtmeister dazu ihre Konzepte zu überdenken und durch neue Einflüsse straßentaugliche SV-Systeme zu entwickeln. Männer wie E. W. Barton-Wright, Pierre Vigny oder A.C. Cunningham schufen somit einige der ersten europäischen Hybrid-Systeme zur SV, wobei sie sich zum Teil rege austauschten und Unterstützten. Besonders das japanische Jiujitsu bzw. das in seiner damaligen Form noch weitgehend unsportlich gehaltene Kodokan-Judo boten zahlreiche Anregungen für Griffkampf im Stand, am Boden, Würfe, Hebel und allerlei “dirty tricks”. Gepaart mit dem Boxen, dem franz. Savate, Spazierstock-Kampf und Ringen ergab sich daraus eine explosive Mischung neuer Straßenkampf-Techniken, wobei die alten Meister auch nicht zimperlich waren, fiese Tricks der Apaches mit einzubauen. Man wandte alle Mittel und die eigenen faulen Taktiken der Gangster einfach gegen sie.

Erfolg konnten diese neuen SV-Systeme scheinbar verzeichnen, denn die entstehenden Schulen waren gut besucht und Nachfrage an Literatur schien groß, denn nicht umsonst sind aus der Zeit um 1900 herum zahlreiche Werke zum Thema veröffentlicht worden. Diese alten SV-Systeme, allgemein aus dem Franz. als “defense dans la rue” bezeichnet, sorgten zwar u.a. dafür, dass Europa und die USA ein reges interesse an asiatischer, besonders japanischer Kampfkunst entwickelte, doch die eigentlichen Vorreiter dieser Entwicklung gerieten leider alsbald wieder in Vergessenheit. Glücklicherweise gibt es heute aus den Reihen von Savateuren, Fechtern und historischen Kampfkünstlern zahlreiche Enthusiasten, die diese Werke wiederentdeckt haben und in leibevoller Arbeit rekonstruieren bzw. wieder alltagstauglich machen. Einer davon ist der australische Savate-Trainer Craig Gemeiner, der nicht nur den Kampf mit dem Spazierstock nach Pierre Vigny rekonstruiert und interpretiert, sondern auch die vielen französischen und englischen Quellen zur waffenlosen Selbstverteidigung gesichtet hat. Auf seiner Webseite http://defensedanslarue.wordpress.com/ kann man einige seiner Erkenntnisse nachlesen, die Seite befindet sich im ständigen Ausbau. Weitere Informationen seitens Gemeiner findet man auch unter diesen Links:

http://gemeineracademy.wordpress.com/

http://www.savateaustralia.com/

http://lacannevigny.wordpress.com/

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